• Erik

Italien in der Hochsaison

Aktualisiert: 29. Jan 2019

Etwas anders als erwartet...


Mit der Vespa durch die Toskana

Wir müssen wirklich zugeben, dass wir uns mit diesem Italienreisebericht ziemlich schwer getan haben. Ganz davon zu schweigen, dass ich bereits einen Reisebericht verfasst hatte und der Entwurf einfach spurlos verschwunden ist... Natürlich würden wir es bevorzugen einen schönen, spannenden und eher postiven Reisebericht zu schreiben. Aber so ist das Leben eben nicht - immer nur schön, spannend und ohne Komplikationen - auch unser Leben nicht :-) Auch wenn es vielleicht so scheinen mag und man bei den ein oder anderen Berichten und Bildern neidisch werden könnte - Diese Bilder und Momente bestätigen ja nicht dass wir ausschliesslich nur schöne , aufregende Momente haben und uns nie Gedanken über etwas machen. Ganz im Gegenteil wir haben eben VIEL Zeit um uns den Kopf zu zerbrechen. Wie gehts weiter? Was sind unsere Ziele im Leben? Ängste ? Oft auch im Sinne von, was machen wir eigentlich hier? Da müssen wir zugeben, dass uns diese Frage in Italien oft beschäftigt hat. Nachdem wir über einen Monat jeden Tag zu Fuss gelaufen sind, ein einfaches Leben im Zelt hatten, in dem man jeden Tag auf ein Ziel hinausarbeitete, fühlte es sich dann in Italien erstmal "komisch" an. Wie wollen wir reisen? Ist von Stadt zu Stadt ziehen , die Sehenswürdigkeiten abklappern, sich von einer AirBnB Hütte in die Nächste einzumieten vernab vom Local Life und inmitten der Touristentrauben reisen? Wir sind schnell zu dem Entschluss gekommen - Nein, das ist es für uns nicht. Aber nun der Reihe nach - ich übergebe das Wort an Erik :-).



Ankunft in Como und erste Eindrücke von Italien


Abgekämpft und müde und glücklich sind wir schliesslich in Italien angekommen. Nach der Grenzüberschreitung ging es auf der italienischen Seite nochmal einen kleinen Anstieg hinauf bis wir den Comer See zu Gesicht bekamen. Der Comer See ist der drittgrösste See Italiens und damit unüberschaubar groß, ähnlich wie der Lago Magiore. Zu meiner Freude gab es an der Comoküste einen Wasserflughafen und wir konnten ein paar Flugzeuge beim Starten und Landen auf dem See beobachten.


Endlich geschafft. Grenzübergang Schweiz Italien in Como

Unser erster Eindruck von Italien ist, dass es ein wenig schmutziger ist als in der Schweiz. Die Fussgängerwege sind nicht mehr so gut ausgebaut und man muss immer wieder auf die Strasse ausweichen. Como selbst hat einen wunderschönen Stadtkern. Hier verlaufen wir uns direkt in den vielen Gassen und geniessen den Anblick. Bei genauerem Hinsehen ist der Stadtkern nur ein kleiner Teil Comos der hauptsächlich von Touristen belebt wird. Aber dazu später mehr.



gleich gibts was zu Essen

Unser erstes Abendessen haben wir natürlich standesgemäss in einem italienischen Restaurant mit 3 Gänge Menü zu uns genommen. Das war vielleicht lecker. Und überhaupt die ganze Stadt strotzt nur so von kleinen Lokalen, Gelaterias, Cafe´s und Restaurants. Wir konnten uns gar nicht entscheiden, wo wir zuerst hin gehen sollen.



In der Stadt und insbesonder am Park fällt uns die Vielzahl von vermutlich geflüchteten Schwarzafrikanern auf. Sie versuchen Armbändchen zu verkaufen oder durch kleine Dienstleistungsgefälligkeiten ein paar Euros zu verdienen. Das war uns bereits vor einem Jahr in Mailand aufgefallen (und später auch noch in allen anderen Grossstädten Italiens) Die Armbandmasche ist ein Trick und zielt auf unbedarfte Touristen. Hier wird man als Tourist in ein nettes Gespräch verwickelt. Where are you from,... My family also lives in your city,... und so weiter. Dann bekommt man ein Armband als quasi Geschenk umgelegt. Wenn man sich dann anschickt zu gehen wird man nach einer kleinen Spende gefragt. Lehnt man das ab wird der Gegenüber oft ungehalten und appelliert an dein schlechtes Gewissen im Sinne von ich habe dir ein Geschenk gemacht und du willst mir gar nichts geben. Das haben wir live mit beobachtet und es fallen scheinbar immer wieder Touristen darauf rein.



Umbrien Lago Trasimeno


Como ist unser Wanderziel gewesen und es hat uns auch erstmal gereicht mit dem Rucksackgeschleppe. Es war eine Wohltat die Wanderschuhe gegen Flipflops einzutauschen. Mittlerweile war es dann auch schon so heiss geworden, das jeder Meter des Rucksacktragens eine Schweißlawine auf unseren Rücken ausgelöst hatte. Also haben wir uns ab sofort erlaubt mit dem Zug weiter zu reisen.


Endlich mal mit dem Zug und nicht zu Fuss


Unser nächstes Ziel war das weiter südlich gelegene Umbrien am Lago Trasimeno. Dort hatten wir ein Ferienhaus mit Resis Mama Jeanette und Ihrem Lebensgefährten Uwe gemietet. Zu unserer Überaschung sind die Beiden bei unserer Ankunft bereits da gewesen und hatten den Pool schon mal eingeweiht. Wir hatten eine sehr schöne Zeit zusammen und haben viel gelacht, gespielt und uns die Gegend angeschaut.


Umbrien wurde uns empfohlen, da es dort noch etwas wilder und weniger touristisch ist, als in der Toskana. Geografisch gesehen befindet sich Umbrien genau östlich der Toskana und ist Flora und Fauna technisch sehr ähnlich. Hier konnten wir jede Menge Olivenhaine, Pinienbäume und die typischen Zypressealleen wachsen sehen. Die typische Landschaft mit den weiten Blicken über die Felder und Hügel der Region war natürlich ein Hingucker. Wir haben es uns dann auch nicht nehmen lassen zwei Tage lang mit Vespas durch die Gegend zu fahren und die schönen Orte der Toskana und Umbriens anzuschauen. Besonders schön ist uns dabei Monte Pulciano in Erinnerung geblieben.


Toskana, wie man es kennt


Unser Ferienhäuschen war sehr schön irgendwo im Nirgendwo gelegen. Hier gab es keinerlei Touristen. Sobald wir jedoch eines der sehenswerten Orte betraten gab es gefühlt nur noch Touristen und viele der Angebote an Restaurants oder Cafe´s waren nur für Diese ausgelegt und es war schwer zu erkennen, was noch echt- und was Kulisse war.



Florenz


Das nächste Ziel sollte dann Florenz werden. Wir hatten ja keine Ahnung... Wir sind mit dem Zug in die Stadt gefahren und bereits am Bahnhof wurde uns dann klar, die Stadt muss voll sein. Also liefen wir vom Bahnhof zu unserere Airbnb Unterkunft in ein etwas lokaleres (dachten wir) Viertel.


Unmengen an Leuten vor der Santa Maria Novella in Florenz

Street food in Italien

Dort haben wir unseren netten Gastgeber kennengelernt und haben uns am Abend die Stadt angeschaut. Wir dachten ja Como wäre schön, aber Florenz hat Como nochmal ganz schön Konkurenz gemacht. Die Perle der Toskana ist wirklich voll von Kunst und Geschichte. Leonardo da Vinchi, Galileo Galilei Michel Angelo und wie sie nicht alle heissen. Alle waren sie in dieser Stadt aktiv und überall findet man deren Hinterlassenschaften in Form von Skulpturen, Huldigungen und vor allem Museen. Hier bekommt man an jeder Ecke ein "Skip The Line" - Ticket angeboten. Und tatsächlich an jedem Museum findet man ewig lange Warteschlangen. Auch der Dom "di Santa Maria del Fiore" der wirklich sehenswert ist, hatte eine Warteschlange, die praktisch einmal um Ihn herumreichte.


So schön die Stadt auch ist, wir hatten irgendwie das Gefühl, dass etwas nicht ganz richtig läuft. Alles ist so dermassen von Touristen eingenommen, dass es nur dieses eine Thema in der Stadt zu geben scheint. Wo sind eigentlich die Italiener? Wo ist die italienische Kultur und was wird uns nur als solche verkauft? Wir beschäftigten uns in diesen Tagen stark mit diesem Thema und auch mit AirBnb und der Gentrifiziertung der Städte durch Touristenwohnungen in allen attraktiven Lagen der Welt. Dazu gibt es aber noch einen separaten Blogeintrag zu finden in "Inspirationen und Gedanken".


In Florenz wurde uns jedenfalls erstmals richtig bewusst, dass wir nicht gerade die beste Reisezeit für Italien ausgewählt hatten. Das lag vor allem an den überfüllten Städten, den übertrieben hohen Preisen und auch der sängenden Hitze, die einen Stadtbummel nur sehr früh morgens oder sehr spät Abends möglich machten.



Cinque Terre


Um dem ganzen etwas Abhilfe und Abkühlung zu verschaffen dachten wir uns, wir könnten doch ans Meer fahren bevor Eriks Eltern zu Besuch kommen. Beim Überfliegen der Angebote an der Adria und den Geschichten von Vera und Stephan haben wir uns gedacht wir entfliehen der Massenabfertigung und den Bettenburgen sowie den überfüllten Stränden und gehen an die Mitelmeerküste ans Tyrrhenische Meer.


Massenweise Leute am Bahnhof und überall sonst auch

Ja, denkste. Wir sind also nach Cinque Terre gefahren und haben dort genau das Befürchtete im vollen Ausmaß erlebt. Ohje so langsam bekamen wir das Gefühl, man kann dem Massentourismus gar nicht entkommen. Ganz Europa scheint gerade in Italien zu sein. Woran liegt das wohl? Oder ist das immer so? Die wirklich schönen Strände und Buchten der Cinque Terre (fünf Dörfer) sind alle überseht von Bezahlliegen. Man erkennt fast gar nicht mehr den Sand vor lauter Liegen. Selbst, wenn man wöllte würde man auch keine dieser Liegen bekommen, da diese immer ausgebucht sind,... was ist da denn los?


Wir haben uns dann ein paar Fahrräder ausgeliehen und sind die Küste entlang geradelt. Das war schön. Zwischendrin haben wir uns dann auch mal ins Wasser mogeln können vorbei an den Liegen der Privatstrände. Ein kleiner Lichtblick waren die für die Umgebung besonders leckeren bekannten Focacchias, die es in zig verschiedenen Variationen gab - zu unser Freude auch vegan.





Livorno und Pisa


Dann war es auch schon Zeit für meine Eltern. Der nächste Besuch. Wir hatten uns für einen Campingplatz an der Küste nahe Pisa verabredet. Wir hatten dort eine sehr schöne Zeit, auch wenn, wie gehabt alles voll voller am vollsten war. Der Campingplatz war komplett ausgebucht und wir waren froh rechtzeitig gebucht zu haben. Wir haben uns dann gemeinsam Pisa angeschaut und sind nach einer Woche gemeinsam Richtung Rom weiter gefahren. Irgendwie war dort bereits die Luft etwas raus. Wir sind auf der Suche nach unserem Reisemodus einfach nicht auf einen grünen Zweig gekommen. Uns fehlte ein wenig das Freiheitliche. Wir hatten uns zu viele Besuche in zu kurzen Zeitabständen zueinander vorgenommen, als das wir in einen unabhängigen und freien Reisemodus wechseln konnten. Es stand in Italien noch der Besuch von Resis Schwester Anna und von Benny und Sofia an. Natürlch haben wir die Zeit mit jedem Besuch sehr genossen, sind aber dazwischen immer in eine Art Warteposition für wenige Tage gekommen.





Rom


Jetzt stand also noch Rom auf dem Programm. Hier sind wir tatsächlich positiv überascht gewesen. Wir hatten bereits mit dem Schlimmsten gerechnet, da man uns schon Angst und Schrecken was die Touristenströme und die Hitze dort angeht eingejagt hatte. Doch man muss sagen durch die Grösse der Stadt haben sich die Touristen auf die Sehenswürdigkeiten gut verteilt und man hatte das Gefühl, dass auch Italiener dort leben. Uns hat Rom wirklich gut gefallen und wir sind beeindruckt von den schier unzähligen imposanten Plätzen, Katedralen, Gebäuden und Relikten des lange vergangenen Imperiums. Außerdem ist die Atmosphäre der Stadt durch die Größe nicht so gedrückt sondern weitläufig und offen.




Anna und Resi in Italien

Wir sind morgens losgezogen ohne Ziel und haben uns einfach in den Gassen Roms verlaufen, haben dabei immer wieder etwas neues entdeckt und gleichzeitig ungeplant so gut wie jede bekannte Sehenswürdigkeit gesehen. Ganz in der Nähe, wieder am Strand haben wir dann noch eine Woche mit Anna verbracht. Die Kleine ist tatsächlich mit Ihren sieben Jahren ganz allein nach Rom und wieder zurück geflogen. Das war vielleicht aufregend für alle Beteiligten.


Die letzten Tage in Italien haben wir dann noch ganz entspannt mit unseren Besuchern Benny und Sophia ausklingen lassen bevor es dann endlich weiter nach Spanien gehen sollte.



Fähre


Wie kommen wir dahin ganz klar mit dem Boot. Einmal von Rom quer über das Mittelmeer zwischen Korsika und Sardinien hindurch direkt nach Barcelona mit der Fähre. Wie das war schreiben wir euch im nächsten Eintrag.



Fazit Italien

Die ersten Eindrücke der Städte wie Como, Florenz, Pisa, Monte Pulciano... sind wirklich wunderschön, aber die Massen an Menschen sind einfach eine Nummer zu viel. Wer lauter schreit kommt eher dran, wer dreister ist kommt schneller durch, wer sich breiter macht muss keinen Platz machen auf den Fussgängerwegen. So viele verschiedene Kulturen kommen zusammen - nur ist es schwer herauszufinden welche zwischen all denen - die italienische ist. Wie schon gesagt, war der Zeitraum den wir für Italien gewählt haben um wieder in einen entspannten Reisemodus zu finden, zugegeben nicht der Beste. Wir denken, dass Italien ein gutes Reiseziel für Kulturliebhaber ist. Besonders die Städte haben wirklich viel zu bieten. Die kleinen Ortschaften und Dörfer bieten natürlich auch einen besonderen Charme. Allerdings kommt man ohne Sprachkenntnisse oft nicht weit. Für uns fühlte sich die Kommunikation mit Händen und Füssen mit den Italienern eher stressig an. Oft hatten wir den Eindruck, dass die Italiener ungehalten werden und gestresst sind. Beim Bestellen im Cafe, über das Einkaufen beim lokalen Obsthändler bis hin zum Lösen einer Busfahrkarte im Bus. Alles hat uns die Schweissperlen förmlich auf die Stirn getrieben, da wir ständig einer nicht abwartend wollenden Erwartungshaltung der Einheimischen konfrontiert waren. Vielleicht aber haben wir uns auch einfach zu sehr stressen lassen, da wir selbst noch nicht richtig in einen Entspannungmodus kommen konnten. Natürlich haben wir nur einen kleinen Einblick erhalten und die anscheinend nochmal andere Mentalität im Süden nicht erlebt. Dennoch hatten wir das Gefühl, es reicht erstmal mit Italien :)



Gallerie


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Wir sind Resi und Erik. Hier auf unserem Blog möchten wir unsere Erlebnisse beim Reisen sowie Gedanken zu Gott und die Welt mit dir teilen. Wenn du wissen möchtest, wie alles begann, dann schau doch mal hier.

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